Donnerstag, 11. Januar 2018

Ich weiß, dass Du es kannst! Und wenn Du gerade nicht kannst, helfe ich Dir.



Morgens und mittags spielen sich bei uns im Kindergarten meist die selben Szenen ab. 
Wenn ich Dich morgens bringe, setzt Du Dich im Vorraum an Deinen Platz und ich knie vor Dir, helfe Dir aus Jacke, Schal und Mütze raus, ziehe Dir die Schuhe aus und die Hausschuhe an.
Mittags das gleiche Spiel.
Das ist wie ein Ritual, wir reden nicht darüber, weil ich genau weiß, dass das für Dich zum kommen und gehen dazu gehört. Nur manchmal machst Du es ganz selbstverständlich von Dir aus.

Morgens bist Du meistens noch müde. Du beobachtest die Szenen im Vorraum, schaust die Bilder an, die von den Erzieherinnen neu aufgehängt wurden. Siehst den anderen Kindern beim umziehen zu. 

Manchmal glaube ich, das Du gar nicht mitbekommt, dass ich Dir beim umziehen helfe.

Mittags wenn ich Dich abholen komme, stürmst Du in meine Arme, als hättest Du mich tagelang nicht gesehen. Bist aufgekratzt und müde zugleich. Erst setze ich mich neben Dich und Du zeigst mir, was Du gemalt oder gebastelt hat. Manchmal bist Du auch einfach nur aufgedreht und Dein Kopf scheint total voll zu sein. 
Wieder sitze oder knie ich bei Dir. Zieh Dir die Hausschuhe aus, Straßenschuhe und die Jacke an. „Holst Du Deine Tasche?“ Manchmal machst Du es, oft nehme ich sie vom Haken, weil Du es gar nicht hörst. 

Doch immer wieder werden wir mit komischen Blicken angesehen. Denn die meisten Kinder müssen sich selbst an- und ausziehen. Viele machen das, manche weinen, manche machen es erst nach dem 2. oder 3. genervtem „Jetzt zieh doch endlich Deine Schuhe an, das kannst DU doch schon selber!“ Die Stimmung ist gereizt. Warum zieht das Kind denn nicht die Mütze auf, das ist doch nicht schlimm!

Jeder wie er es mag. 
Du kannst das nämlich eigentlich auch schon selber. Ich habe Dir damals geholfen, es selbst zu tun, als Du es lernen wolltest. Ich gab Dir die Zeit, es immer und immer wieder selbst zu probieren, bis es klappte. Denn auch Du wolltest und willst noch heute vieles alleine machen. Meistens.

Was nämlich keiner gesehen hat, von denen die uns immer wieder missbilligend angesehen haben: heute morgen im Bad hast Du Dich ganz alleine angezogen, samt Strumpfhose. Du hast Dir das T-Shirt selbst ausgesucht und aus dem Schrank geholt.
Bevor wir los sind, hast Du zuhause Deine Jacke, die Schuhe, Mütze und Handschuhe angezogen und sogar Deine Brotdose in die Kindergartentasche gepackt. Du kannst es und wir beide wissen das und freuen uns darüber. 
„Mama, ich bin schon abfahrbereit und viel schneller als Du!“

Ich weiß dass Du es kannst und es machst. Wenn um Dich rum aber so viel passiert, es so viel zu sehen und zu hören gibt, Du müde oder aufgedreht bist, dann helfe ich Dir gerne dabei.

Denn schon sehr bald wirst Du es, wie Dein großer Bruder, ganz selbstverständlich immer selbst tun. 


Werdet Ihr auch komisch angesehen, wenn Ihr Eurem Kind beim anziehen oder umziehen helft? Das können die doch schon alleine? Können sie. Aber müssen sie das auch unbedingt immer auf Biegen und Brechen?


Ich freue mich auf Eure Meinung dazu. 


Bisous 

Eure Tanja







Über Deinen Kommentar freue ich mich übrigens ganz besonders! Es bedeutet mir sehr viel, dass Du Dir dafür einen Moment Zeit nimmst. * Merci *

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Viel mehr Bilder von unserem kunterbunten Familienleben gibt es übrigens auf Instagram.

Kommentare:

  1. Liebe Tanja,
    danke für deinen tollen Artikel! Ich mache es meistens so wie du, nur wenn die Zeit knapp ist und unser Großer (bald 6) schon vorher viel getrödelt hat, dann werde ich leider ungeduldig und schimpfe ihn auch an. Dann sitzt mir die Zeit im Nacken, ich muss noch die Treppe hoch die Kleine (3 3/4) bringen. Wenn ich so darüber nachdenken, an zeitlich entspannten Tagen mache ich das alles für die Kinder und die Stimmung ist gut. Das nehme ich mir jetzt für die anderen Tage auch mit! Und danke dir herzlich für den Gedankenanstoß!
    Ich habe vor einer ganzen Weile morgens mal eine Mutter mit ihrem Sohn im Kindergarten beobachtet, sie war sehr geduldig und hat sich mit dem Kind auf dem Schoß sogar noch hin gesetzt und ein Aufwach-Kuschel-Spiel gemacht. Das war so schön! Und das habe ich ihr dann auch gesagt. Seitdem bin ich morgens viel geduldiger und sehe die Kinder noch mehr. Nur eben nicht immer,s.o.
    Viele liebe Grüße und ein glückliches und gesundes neues Jahr
    Sternie

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    1. Danke für Dir für das Teilen Deiner Gedanken. Das stimmt, wenn die Zeit im Nacken sitzt, ist das alles nicht so einfach. Aber ich habe gemerkt, dass es schneller geht, ihm zu helfen, weil dann das Verabschieden und Loslösen leichter fällt. Heute musste ich schmunzeln, weil ich noch kurz was besprechen musste und er hat sich selbst ausgezogen. „Bin schon fertig Mama, jetzt kommst Du pünktlich zur Arbeit“. Da ging mir das Herz auf.
      Lieben Gruß
      Tanja

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  2. Liebe Tanja,
    Ich halte es genau so wie du: dem Kleinen (3 Jahre) helfe ich morgens und nachmittags beim An- und Ausziehen. Er kann das auch schon lange alleine und zieht sich nach dem Mittagsschlaf im Kindergarten alleine an. Aber beim Ankommen gibt es viel zu sehen und Kuscheln mit Mama beim Schuhe an- und ausziehen ist doch auch schön. Nachmittags ist er zu aufgedreht vor lauter Freude, dass ich da bin.
    Auch der Großen (5 Jahre) helfe ich morgens. Nachmittags kommt die Gruppe geschlossen ans Tor zum Abholen, da zieht sie sich alleine an. Und natürlich kann sie das alles alleine, sie wechselt oft mehrmals am Tag ihr Outfit. Es ist irgendwie ein Abschiedsritual...

    Andere Eltern schauen in beiden Kindergärten nicht komisch, sondern handhaben es meistens wie wir. In einem früheren Kindergarten meiner Tochter habe ich es leider oft erlebt, wie mit dem Kind gescholten wird, dabei war es so offensichtlich, dass die Kinder einfach nur Mama oder Papa „auftanken“ wollen. Mehr nicht.

    Ich lese hier schon lange mit. Ich bin auf deinen Blog gestoßen, als wir selbst noch in Frankreich wohnten. Meine Tochter war in der crèche u stand vor dem Wechsel in die école maternelle. Wir sind dann ungefähr zur gleichen Zeit wie ihr kurzfristig zurück nach Deutschland. Ich hatte auch mal kommentiert, aber beim Veröffentlichen des Kommentars ging dieser irgendwie verloren...
    Was mich nämlich schon immer interessierte: spricht dein Großer noch französisch? Sprichst du mit ihm oder habt ihr die Sprache irgendwie am Leben erhalten?
    Unsere Tochter ging zunächst in einen deutsch-französischen Kindergarten und dann mit vier Jahren in einen rein französischen. Ich wollte nicht, dass sie die Sprache verliert u spreche immer noch viel mit ihr französisch. Wir wohnen aber auch in der Rheinebene, da geht das. Aber ihr in Bayern?

    Liebe Grüße,
    Anna

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  3. Toller Beitrag! Unser kleiner, 5 Jahre, bekommt auch gern die Schuhe an- oder ausgezogen, wenn er erschöpft vom Tag ist. Und ich mache es gern ��❤️ Beide Jungs fragen nach Unterstützung, wenn sie sie brauchen. Das finde ich wertvoll!

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