Donnerstag, 23. November 2017

Als ich noch kein Schulkind hatte


Gestern hatte mein Löwenjunge schulfrei, denn am Buß- und Bettag dürfen die bayerischen Kinder ja zu Hause bleiben.
Dieser freie Tag, mitten in der Woche, war wie ein kleines Geschenk. Fast fühlte er sich an, wie einer dieser Mittwoche damals in Frankreich. (Mittlerweile ist in Frankreich nur noch der Mittwoch-Nachmittag schulfrei, aber als wir dort lebten, war mittwochs kein Unterricht und auch die École Maternelle hatte geschlossen. Mittwochs sah man in Frankreich den ganzen Tag überall Kinder und auch alle sportlichen oder kreativen Aktivitäten für Kinder wurden mittwochs angeboten). 

Wir konnten gestern also ein bisschen länger schlafen und als ich das Winterkind im Kindergarten abgegeben hatte, haben der Löwenjunge und ich uns ein Sonntagsfrühstück am Mittwoch gegönnt. Mit frischen Brötchen, Frühstücksei, Orangensaft und Obst saßen nur wir beide, ganz gemütlich am Küchentisch, der Hund lag darunter, in der Hoffnung dass wir nicht richtig essen können. 

Hausaufgaben...

Nach der Gassirunde machten wir uns an die Hausaufgaben. Das ist ja immer mehr oder weniger ein Drama bei uns. Dienstag Nachmittag war noch Kommunionunterricht und da sich mein Löwenjunge die Hälfte der (Hausaufgaben-) Zeit über diese aufgeregt hatte, wurde er natürlich nicht fertig bis es zur Gruppenstunde ging.

Heute aber ging es ganz entspannt. Klar, er hatte nicht den langen Schulvormittag hinter sich, auch kein kleiner Bruder lenkte ihn ab und mich konnte er auch jederzeit in Ruhe fragen. Wir haben sogar noch freiwillig das Einmaleins geübt und gelesen. Ohne Diskussionen und ohne Geschimpfe. War das erholsam!


Foto by Pixaby/blickpixe

Spielen!

Nach dem Kindergarten und dem Mittagessen haben wir uns unsere Räder geschnappt und sind in den Stadtpark geradelt. Die Jungs trafen gleich viele andere Kinder, denn heute war ja schulfrei und einer dieser seltenen, sonnigen und milden Novembertage. Die meiste Zeit verbrachte ich auf einer Bank in der Sonne und hatte Zeit, einfach mal meine Jungs zu beobachten. Ich halte mich gerne im Hintergrund auf. Wenn sie so viele Spielkameraden da haben, brauchen sie mich nicht, es reicht, wenn sie mich sehen. Und sie sehen mich tatsächlich. Es ist schön, wie sie mich dann hin und wieder mal mit heimlichen Blicken suchen. Ich liebe es, sie beim Spielen zu beobachten.

Sie haben wild gespielt. Kräfte gemessen, wer schneller und höher klettern kann. Sind mal hier und mal dorthin. Waren mutig, schnell und von oben bis unten dreckig vom Fußball spielen auf dem matschigen Novemberboden. Sie haben mit anderen gestritten, diskutiert und dann weiter gespielt. Ein bisschen Bullerbü im abgesteckten Rahmen Stadtpark. Immerhin wird der Kleine erst 5 und wir leben eben in einer Kleinstadt und nicht in Bullerbü-aber immerhin. Ich war nur Zuschauer und nicht Regisseur dieses schönen Nachmittages.

Als die Sonne sich dann langsam verabschiedete und es dadurch sofort kühler wurde, genügte ein einfaches „Wir radeln dann jetzt nach Hause!“. Keine enttäuschten Blicke, kein „nur noch einmal rutschen!“. Sie hatten sich 3 Stunden frei austoben können und waren bereit für den Heimweg. Einfach so. 

Weil der Tag so schön war, machten wir uns unser Abendbrot fertig und nahmen es mit auf die Couch und schauten noch eine Runde gemeinsam Kinderprogramm. Auch danach gab es keine Verhandlungen von den Kindern über mehr Fernsehzeit. Sogar duschen klappte heute ganz freiwillig. Um 19 Uhr- so pünktlich wie fast nie unter der Schulwoche, lag ich mit den Jungs im Bett und las die Gute-Nacht-Geschichte vor. Noch vor 19:30 Uhr sind wir (alle) zufrieden eingeschlafen. 

Wie schön doch die Tage ohne Schulstress und Hausaufgaben sind!


Als ich noch kein Schulkind hatte, waren es genau diese Nachmittage. Nach Kindergarten und Arbeit gehörte der Nachmittag uns. Man musste nicht das kleine Kind endlos vertrösten, weil der Große einfach nicht fertig wurde. 
Im Winter bleibt heute kaum mehr Zeit für solche kostbaren Momente, wo die Kinder Kind sein dürfen. 

Wie sehr so ein Schultag das Kind anstrengt, merkt man an Tagen wie gestern. 
Hausaufgaben sind ein tägliches Streitthema bei uns. Ich kann sie ihm nicht ersparen. Manche Hausaufgaben sind wichtig, manches halte ich für einen 8-jährigen Drittklässler unnötig. Aber das kann ich ihm ja nicht sagen, machen muss er sie ja doch. Manchmal helfen sein Bruder und ich ihm, wenn er irgendwelche Bilder ausmalen muss. Dann können wir schneller raus und ich glaube nicht, dass er das Ausmalen noch lernen muss. 

Als ich noch kein Schulkind hatte, war ich viel cooler, nicht so spiessig wie jetzt. Das Schulkind muss pünktlich in‘s Bett, der Schreibtisch aufgeräumt sein, die Hausaufgaben bis spätestens zum Abend fertig sein. Und ja, ich quäle ihn auch oft, dass er noch was lesen soll, auch wenn er lieber was anderes machen würde. Aber hätte ich das nicht getan, könnte er es heute nicht so gut.

Ich kann die Schule nicht verändern. Aber träumen kann man ja... 

Dann würde es öfters solche freien Tage mitten unter der Woche geben. Denn da hat das Schulkind ganz viel aufgeholt und von sich aus gelernt.
Und manche Hausaufgaben sollte es einfach nicht geben. 
Eigentlich sollten wir Eltern mit den Kindern noch täglich mindestens 10 Minuten Kopfrechnen und 10 Minuten laut lesen. Wäre der Nachmittag nicht schon mit Abschreibtexten und einer ganzen Seite Malaufgaben gefüllt, wäre das auch gar kein Problem. Manchmal kann und will ich ihm das nicht auch noch antun, dann schicke ich ihn auch mal lieber 20 Minuten mit seinem geliebten Fußball auf die Straße. 

Solche Nachmittage wie gestern sind selten und deshalb so kostbar. 

Aber träumen darf man ja. 
Und sich an die schöne Zeit zurück erinnern, an denen man noch kein Schulkind hatte....


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