Mittwoch, 22. März 2017

Festhalten, Vertrauen, Loslassen. Nicht nur beim Fahrrad fahren lernen.

In dieser Woche erinnerte mich mein Winterkind wieder daran, dass alles was unsere Kinder lernen, eine Frage der Zeit und des Vertrauens ist.

Der Löwenjunge bekam zum 3. Geburtstag (vor fast 5 Jahren) ein kleines, grünes Fahrrad geschenkt. Das war sein Herzenswunsch gewesen. Er wollte Fahrrad fahren lernen! 

Nach den ersten Versuchen mit dem Papa, hatte er keine Lust mehr und warf das Rad wütend um. Es funktionierte einfach noch nicht. Er hatte gedacht, er müsse nur losfahren, wie auf seinem geliebten Laufrad. 
Das Fahrrad wurde ignoriert und wir zogen kurz darauf nach Frankreich. Im darauffolgenden März, fragte ich ihn immer mal wieder, ob wir es nicht nochmal versuchen wollen. Eigentlich hatte er keine Lust dazu aber ich quatschte ständig auf ihn ein.

Wollte ich vielleicht, dass er es lernt?

Eigentlich wollte ich ihm nur zeigen, dass man nicht gleich aufgeben sollte, wenn etwas nicht auf Anhieb klappt. Aber muss man das schon mit dreieinhalb?

Irgendwie gab er dann doch nach und wir übten das Fahrrad fahren. Richtig Freude hatte er wohl nicht dabei, ich auch nicht. Aber er gab nicht auf und es klappte überraschend schnell. Er freute sich riesig und war nicht weniger stolz als ich. Das Kind konnte Fahrrad fahren! Ohne Stützräder, die hatten wir gar nicht erst dran gemacht. 

Das kleine grüne Fahrrad wurde dann1 Jahr später durch ein größeres ausgetauscht und wartete seither auf das Winterkind. 

Mittlerweile wusste ich es ja besser -

und erinnerte das Winterkind nur daran, dass er sein nun fast kaputt gefahrenes Laufrad eintauschen kann, wann immer er Fahrrad fahren lernen will. Er wollte aber nicht und es war ok. Ich vertraute darauf, dass er den Zeitpunkt schon kennen würde. Genau wie er auch selbst wusste, wann er ohne Windel sein möchte oder nicht mehr gestillt zu werden.

Am Montag verkündete er plötzlich ganz bestimmt, er wolle heute nicht in den Kindergarten. Auf gar keinen Fall. Außerdem will er heute noch mit Mama Fahrrad fahren lernen. 

Wir hatten wunderschönes Frühlingswetter und holten das kleine grüne Fahrrad aus dem Keller, setzen den Fahrradhelm auf und los ging es. 

Treten konnte er schon länger vom Dreirad, Balance hatte er auch vom Laufrad fahren. Wackelig machte ihn "nur" die Angst vor dem Fallen.


"Halt mich gut fest, Mama! Du darfst mich nicht loslassen!" 


Zittrig und wacklig machten wir uns auf den Weg. 800 Meter zu meiner Schwester. Wir klingelten und stolz meinte das Winterkind schon: "Schaut mal, ich bin mit dem Fahrrad da!"

Auf dem Rückweg ging es noch zum Spielplatz. Die letzten Meter dahin schob er das Rad. "Ich kann nicht mehr!" 
Eine Runde klettern und wir machten uns die letzten 500 Meter auf den Heimweg. 
Kurz vor unserer Haustür meinte er plötzlich:

"Jetzt lass los, Mama! Ich kann das!"

Ich war mir da nicht so sicher wie er, aber ich vertraute ihm und ließ los, blieb aber dicht hinter ihm. Mama halt. 

Das Winterkind aber jubelte und fuhr einfach weiter.
"Ich kann Fahrrad fahren!"


Wir fuhren die Straße auf und ab und er rief jedem Nachbar zu: "Schaut mal, ich fahre Fahrrad!"



Irgendwie war er heute morgen wohl aufgewacht und wusste, dass heute der richtige Tag ist. Nicht wir Eltern oder der große Bruder. Einzig er alleine.

Wir müssen nur auf den richtigen Zeitpunkt warten. Festhalten wenn sie festgehalten werden wollen. Und vertrauen. Vertrauen in unser Kind, dass sie wissen, wann wir loslassen dürfen. 

Gut, wenn unsere Kinder uns immer wieder daran erinnern. 

Bisous 
Eure Tanja


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