Samstag, 1. März 2014

Aus grau wird schwarz - und auf einmal ist nichts mehr wie es war

Der letzte Eintrag von mir liegt nun etwas über 2 Wochen hinter mir und hatte den Heimweh-Titel "grau".
Aber eigentlich liebe ich ja bunt und um mich da ein bisschen aus dem grau zu holen, plante ich am Samstag vor genau 2 Wochen meine erste Blogparade über den Frühling, wollte wissen was Euch da so einfällt und hatte ganz lustige, witzige und bunte Ideen in meinem Kopf.

Dann kam alles ganz anders und ganz plötzlich und erst so langsam versucht mein Kopf die richtigen Worte zu finden. 

Wenn ich an die letzten Tage zurück denke, dann kommt es mir wie in einem Zeitraffer vor, ihr wisst schon, wo so alles in Zeitlupe und so ein bisschen unreal ist. 

Vor genau 2 Wochen stand ich mit meinem Mann in der Küche und höhlte Tomaten aus. Wir wollten unser Sonntagsessen vorbereiten, ganz in Ruhe, die Jungs schliefen schon. Ich liebe so Rezepte, die man gemütlich vorbereiten kann, und dann nur noch in den Ofen schieben muss. 
Diesen Sonntag wollten wir gefüllte Tomaten machen, nach einem Rezept von Mama. Noch nie selbst gekocht, aber bei Mami heiß und innig geliebt. Ein Festessen für uns. Denn die gemeinsamen Mittagessen am Sonntag waren meinen Eltern sehr wichtig. Und irgendwie überträgt sich das jetzt wohl auf mich, denn für mich gehört jetzt ein Sonntagsessen auch zu den wichtigen Familienritualen. 

Irgendwie war ich unsicher mit dem Rezept und klingelte bei meinen Eltern durch. Aber Mama ging es nicht so gut. Sie hatte gespuckt und war schlapp und fühlte sich elend. Da kann man doch nicht über's Essen reden!?!?! Mütter können sowas aber irgendwie doch und sie entlockte die Frage und sie freuten sich, dass ich das Rezept rausgesucht hatte. Gefüllte Tomaten gegen Heimweh. 

Das Essen war zu zweit Ratz Fatz vorbereitet und wir lümmelten noch auf die Couch. 
Um 22 Uhr kam die Nachricht, dass man meine Mama ins Krankenhaus eingeliefert hatte, weil sie plötzlich sehr schlecht beinander gewesen war. 
Ich machte mir natürlich Sorgen, 1200 km weit weg fühlt man sich in solchen Situationen geradezu machtlos und hilflos. Auch wenn meine Mama schon seit ich denken kann gegen die verschiedensten Krankheiten zu kämpfen hatte und Krankenhausbesuche für mich nichts seltenes waren. 

Am nächsten Tag vollendete ich mein Sonntagsessen und wartete ungeduldig auf Nachrichten aus Deutschland. Und mit einem Male wurde mein Herz ganz schwer und ich sagte plötzlich unter Tränen zu meinem Mann "ich hab kein gutes Gefühl, Schatz. Mein Herz wird grad ganz schwer" und mein Mann sagte, ich solle einfach jetzt wen anrufen ob es was neues gibt. 

Ich ging nach oben und rief meinen Vater an, der irgendwie sehr gefasst war. Man wisse nicht genau was jetzt letztendlich der Auslöser war, sie liegt auf intensiv im künstlichen Koma und nun muss man warten, wie der Zustand sich entwickelt. Ich glaub ich habe auch nicht mehr alles verstanden. 

Weinend ging ich nach unten. Unsere gefüllten Tomaten waren fertig und im ganzen Haus duftete es - ganz genau so, wie damals bei uns zu Hause!!! Dieser Duft, als stände Mama selbst in der Küche und ruft gleich "das Essen ist fertig, kommt und setzt Euch hin!"

Weinend erzähle ich, die Jungs sitzen schon am Tisch. 
Und mein Mann hält sein Versprechen, was er mir damals vor dem Umzug gegeben hatte: 
"ich rufe meinen Chef an, wir packen und fahren los!"

Kapiert habe ich nichts mehr. Ab jetzt lief alles wie im Film ab. Der Große lachte: "juhu wir fahren wieder nach Deutschland" 
- die Koffer waren doch gerade erst ausgepackt. 
"Schatz, wir fahren weil es Oma sehr schlecht geht"
"Stirbt sie jetzt? Aber warum denn, ihr ging es doch gut, sie hat doch noch so schön geredet???" 
Wie soll man das denn einem 4-jährigen erklären, wenn das eigene Herz so schwer ist? 

Etwas später sitzen wir im gepackten Auto. Im Koffer auch die schwarzen Sachen. Eingepackt ohne sich Gedanken gemacht zu haben. Oder vielleicht doch? Ganz tief im inneren?

Das Navi zeigt es an: 1200 km - 11,5 Stunden. Werden wir es schaffen? 
Meine Schwestern haben den Skiurlaub abgebrochen und sind schon im
Krankenhaus. "Ich glaube, es ist gut, dass Du auch kommst" sagen sie. 
Und: "man gibt uns bescheid, wenn es schlechter wird" 
Ich starre auf's Navi. Immer und immer wieder. Werden wir es schaffen?

Draußen wird es dunkel, das kleine Kind ist schon eingeschlafen, das große Kind ist zu aufgeregt und spürt diese komische Stimmung. 
Ich schreibe mit meiner Freundin, denn schreiben beruhigt mich und ich will nicht reden, lieber nur schreiben. 

Wir fahren durch die Nacht und der wahnsinnig helle Mond, Vollmond oder kurz danach/davor/keine Ahnung- begleitet uns durch diese unheimliche Nacht. 

Meine Schwester ruft an und sagt, das Krankenhaus hat angerufen, man solle sich bereit machen. 
Ich schau auf dieses verdammte Navi, aber es sagt, noch 8 Stunden. 
Mein Herz wird immer schwerer. Ich werde es wohl nicht schaffen. 

Der Mond fährt mit uns aber die Zeit wird einfach nicht weniger. Ich schau aus dem Fenster und sehe die vergangenen Jahre. Soviel Mama!
Wir hatten immer ein wunderbares Verhältnis. Sie war die beste Mama die man sich wünschen kann. 
Wie oft saß sie an meinem Bett und hat mir die Tränen getrocknet, die Stirn gekühlt oder die Hand gehalten?
Und jetzt- in ihrer letzten Stunde, wenn alle bei ihr sind um sich zu verabschieden, sie auf dem letzten Stück zu begleiten, sitze ich im Auto und kann nichts tun außer auf das Navi und den Mond zu starren????

"Bitte warte auf mich wenn Du kannst" will ich ihr zurufen. 
Versuche es in Gedanken zu tun. 
Doch etwas später werde ich ruhiger. Ich will ihr sagen "nein, warte nicht, wenn Du nicht mehr kannst, dann musst Du gehen, ohne mich. Wir beide wissen wie sehr wir uns lieben"

Kurz nach Mitternacht - "noch 4 Stunden bis zum Ziel", ruft mich meine Schwester an: 

"Kleine, Mama ist eingeschlafen. Ganz friedlich mit einem Lächeln, als wolle sie sagen "ich habe es endlich geschafft"

Ich habe es leider nicht mehr geschafft. Und das tut so verdammt weh und macht es so unbegreiflich für mich. Als wenn ein Stück vom Film fehlt. Sie fehlt. 
Ich hätte es so gerne geschafft...

Mein großes Kind mit 4 ist so unsagbar groß geworden:
"Weine doch nicht Mama, in unserem Herzen lebt sie doch noch immer"










Wer nichts verpassen will, der darf mir sehr gerne auf Facebook folgen. Viel mehr Bilder von unserem kunterbunten Familienleben gibt es übrigens auf Instagram.

Über Deinen Kommentar freue ich mich übrigens ganz besonders! Es bedeutet mir sehr viel, dass Du Dir dafür einen Moment Zeit nimmst. * Merci *


Kommentare:

  1. Mein Beilaeid! Vor vielen Jahren machte mein Vater mit seinen Geschwistern das gleiche durch. Sie Fuhren von hier -1200km nach Siziien- auf dem weg sammelten sie die schwester in Rom ein und kamen 2 stunden "zu spät" Es ist bei all der vor allem anfänglichen trauer kein großer trost zu sagen, das es das besten für sie war, tief in uns drin wissen wir das aber. Ich wünsche euch ganz viel kraft in dieser schweren zeit!

    LG Mel von LLB

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  2. Danke liebe Mel!
    Ich glaube auch, dass Du Recht hast. Alles hat irgendwie seinen Grund - aber es braucht seine Zeit, dass auch das Herz das so sieht.
    Ganz liebe Grüße und danke!

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  3. Ich schicke dir ganz viel Kraft. Es tut mir so unendlich leid. Fühlt euch ganz feste umarmt! Mehr Worte kann man garnicht finden.
    Liebe Grüße und ganz viel gute Gedanken aus Bawü

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  4. Gerade erst gelesen.
    Mein herzliches Beileid liebe Tanja.
    Mir fehlen so sehr die Worte.
    Ich wünsche Dir und deiner Familie, daß der Schmerz sich so weit verändert, daß er erträglich wird und Ihr an die schönen Stunden denken könnt, ohne von der Trauer überschattet zu sein.
    Alles Liebe!
    Suse

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